Portrait von Cara Lindon

Cara Lindon

Aus einer Mischung aus Unzufriedenheit, Sehnsucht und einer ziemlich verwegenen Idee wurde eine Autorin: Cara Lindon erzählt heute am liebsten von Neuanfängen – und spielt ihre Szenen beim Schreiben im Zug gleich mit nach.

Zonenrandgebiet, Kassel und eineinhalb Katzen

Cara Lindon ist in einem 360-Seelen-Dorf im Zonenrandgebiet aufgewachsen und lebt heute in einer Kleinstadt bei Kassel – mit ihrem Mann, unzähligen Büchern, zwei Katern und eineinhalb Katzen: Esther lebt im Sommer komplett draußen und zählt deshalb nur halb, bekommt aber trotzdem volle Verpflegung.

Die Dachterrasse in Bremen

Alles begann auf einer Dachterrasse in Bremen, wo sie mit einer Freundin über ihre beiderseitige Unzufriedenheit im Job sprach – bis die Freundin sagte: „Wir lesen doch beide so viel, warum schreiben wir nicht einfach selbst einen Krimi-Bestseller?“ Nach rund 80 gemeinsam geschriebenen Seiten dämmerte beiden, dass das mit dem Bestseller etwas komplizierter ist als gedacht – der Schreibvirus hatte sie da aber schon erwischt. Es folgten Kurse, Ratgeber, eine Schreibgruppe und erste veröffentlichte Kurzgeschichten, bis 2009 eine Ausschreibung von Rowohlt für einen historischen Roman den entscheidenden Anstoß gab.

Vom Sarazenen zur Pilgerin

2010 erschien ihr Debüt über eine junge Frau im mittelalterlichen Braunschweig, die nach Jerusalem pilgert, um ihre Tochter zu retten – als der Anruf mit der Zusage kam, wäre ihr vor Schreck und Freude fast das Smartphone aus der Hand gefallen. Ursprünglich trug das Buch den Titel „Die Geliebte des Sarazenen“, mit dem sie sich nie richtig anfreunden konnte; heute heißt es „Die Reise der Pilgerin“ und fühlt sich für sie viel mehr nach ihrem Roman an. Für ihre Kurzgeschichten gewann sie inzwischen mehrere Preise, und 2019 waren ihre Romane für den Kindle Storyteller sowie den Selfpublishing-Preis nominiert.

Method Acting im Zug

Einen typischen Schreibtag gibt es bei ihr nicht – dafür aber die Erkenntnis, dass ihre besten Ideen morgens zwischen zehn und zwölf kommen, weil die innere Kritikerin dann offenbar noch schläft. Trotz eines großen, rückenfreundlichen Schreibtischs schreibt sie am liebsten im Bett, umgeben von schnarchenden Katern – und besonders produktiv wird sie unter Zeitdruck, etwa im Zug. Dort schreibt sie übrigens im „Method Acting“-Stil und spielt ihre Szenen beim Schreiben nach, was ihr schon so manchen verwunderten Blick von Mitreisenden eingebracht hat.

Wohlfühlromane und Drama-Sagas

Ihre Wohlfühlromane erzählen von Neuanfängen, ihre Familiensagas von Geheimnissen und großem Drama – Recherchereisen nach Cornwall und Juist sind für sie dabei ein willkommener Nebeneffekt. Inspiration findet sie buchstäblich überall: ein Gesprächsfetzen im Zug, ein Zeitungsartikel, ein Recherchedetail oder einfach die Frage „Was wäre, wenn …?“ Am liebsten mag sie Geschichten mit Meersalz in der Luft, besonderem Licht und kleinen Orten, in denen mehr passiert, als man zunächst vermutet.

Zu viele Favoriten, ein kurioser Job

Welches ihrer Bücher ihr am meisten bedeutet, kann sie gar nicht sagen – zu groß ist ihre „ausgeprägte Entscheidungsschwäche“. Ihr seltsamster Job überhaupt: die „Qualitätskontrolle“ in einer Gummifabrik – acht Stunden am Tag starrte sie auf 3.840 Gummiringe, um mögliche Löcher zu finden, und roch danach „wie eine Vollbremsung“.

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